Hypothekarzins-Prognose für die zweite Jahreshälfte 2026
Trotz einer moderaten Inflation und einer lockeren Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank dürften Festhypotheken in den nächsten Monaten kaum günstiger werden, sagt Comparis-Hypothekenexperte Dirk Renkert voraus.

16.06.2026

iStock / JaCZhou
1. Hypothekarzins-Prognose: Welche Hypothekarzinsen sind bis Ende 2026 zu erwarten?
Die Zinssätze für Festhypotheken haben sich stabilisiert – das bleibt aber unter Umständen nicht so. Aktuell bewegen sich die Zinsen für eine 10-jährige Festhypothek auf einem Niveau von unter zwei Prozent und leicht unter den Zinsen Anfang Jahr.
Sinken werden die Zinsen in den kommenden Monaten voraussichtlich allerdings kaum. Comparis-Finanzexperte Dirk Renkert gibt einen Ausblick:
Die Richtzinsen für Festhypotheken dürften in den kommenden Monaten auf dem heutigen Niveau verharren oder sogar noch leicht steigen. Ein markanter Rückgang erscheint nur wahrscheinlich, wenn sich die Konjunktur unerwartet stark abschwächen würde und die Weltwirtschaft in eine Rezession geriete. Wer in den nächsten Monaten eine Hypothek verlängern muss, sollte nicht auf deutlich tiefere Zinsen spekulieren. In der aktuellen Situation spricht vieles dafür, dass der Aufwärtsdruck bei Festhypotheken in den kommenden Monaten bestehen bleibt.
Das aktuelle Zinsniveau
Derzeit liegt der zehnjährige Richtzins bei 1,83 Prozent. Allerdings unterscheiden sich die Angebote der verschiedenen Hypothekaranbieter stark: Der vom Comparis-Hypothekenservice vermittelte Top-Zinssatz beträgt aktuell 1,43 Prozent (Stand: 15. Juni 2026).
2. Schweizer Wirtschaft robuster als die anderer Länder
Trotz eines unterdurchschnittlichen Wirtschaftswachstums zeichnet sich keine Rezession ab. Das zeigt sich unter anderem in der gleichbleibend tiefen Arbeitslosigkeit und der stabilen Konsumentenstimmung.
Das ist in anderen europäischen Ländern anders. So leidet zum Beispiel Deutschland unter einer schwachen Industrieproduktion, einer zurückhaltenden Konsumnachfrage und den Folgen der wirtschaftlichen Transformation.
Die Schweiz gehört derzeit zu den widerstandsfähigsten Volkswirtschaften Europas. Das Wachstum bleibt zwar bescheiden. Gleichzeitig fehlen aber die typischen Anzeichen einer Rezession. Mit dem starken Anstieg der Energiepreise und der allgemeinen Teuerung haben sich auch die Befürchtungen einer Deflation zerschlagen. Deshalb besteht kein unmittelbarer Druck auf die SNB, die Geldpolitik weiter zu lockern.
Moderate Inflation in der Schweiz
Die Situation in der Schweiz ist unter anderem wegen der kontinuierlich moderaten Inflation so stabil. Sie bewegt sich innerhalb des SNB-Zielbandes von null bis zwei Prozent.
Zusätzlich ist durch die Unsicherheit an internationalen Finanzmärkten der Wert des Franken gestiegen. Dadurch senken sich die Kosten für Importgüter, was ebenfalls der globalen Teuerung entgegenwirkt.
3. Warnsignale bei internationalen Anleihmärkten
Die langfristigen Zinsen bleiben weltweit unter Aufwärtsdruck. Denn: Investorinnen und Investoren beobachten die steigende Staatsverschuldung vieler Industrieländer zunehmend kritischer.
Diese steigende Verschuldung verändert die Wahrnehmung der Finanzmärkte. Die Renditen steigen, da Anlegerinnen und Anleger für langfristige Staatsanleihen wieder höhere Risikoaufschläge verlangen. Comparis-Finanzexperte Dirk Renkert ordnet ein:
Über viele Jahre konnten Staaten ihre Schulden praktisch unbegrenzt ausweiten, ohne dass dies grössere Auswirkungen auf die Finanzierungskosten hatte. Inzwischen beobachten wir eine Trendwende. Die Märkte beginnen wieder, langfristige Risiken einzupreisen.
4. Nahostkonflikt als wichtigster Unsicherheitsfaktor
In den nächsten Monaten ist weiterhin die geopolitische Lage ein grosser Unsicherheitsfaktor. Besonders die Spannungen im Nahen Osten werden von den Finanzmärkten aufmerksam verfolgt. Bei einer weiteren Eskalation könnten die Energiepreise weiter steigen und somit den Welthandel stärker belasten.
Gemäss Comparis-Finanzexperte Dirk Renkert ist der Nahostkonflikt aktuell der wichtigste kurzfristige Risikofaktor für die Kapitalmärkte. Es sind allerdings nicht alle Prognosen negativ: «Im Basisszenario gehen wir davon aus, dass die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft begrenzt bleiben. Sollte sich die Lage hingegen deutlich verschärfen, könnten die Inflationserwartungen wieder steigen und die langfristigen Zinsen zusätzlich unter Druck geraten.»
5. Was können Personen mit einer Hypothek tun?
Comparis rät Personen mit einer Hypothek zu folgendem Verhalten:
Marktschwächen nutzen
Beobachten Sie den Hypothekarmarkt und nutzen Sie die Marktschwankungen für den richtigen Zeitpunkt Ihres Hypothekarabschlusses. Eine Übersicht über den Markt können Sie sich im Zinsüberblick verschaffen. Ausserdem hilft der vierteljährlich erscheinende Hypotheken-Barometer von Comparis bei der Orientierung.
Die angemessene Risikostrategie festlegen
Könnten Sie höhere Zinsen nicht mehr bedienen, sollten Sie sich für Festhypotheken entscheiden. Könnten Sie vorübergehend auch deutlich höhere Zinsen finanzieren, eventuell mehrere Jahre lang? Dann können Sie die Zinsrisiken einer Saron-Hypothek auf sich nehmen.
Nicht das erstbeste Zinsangebot akzeptieren
Akzeptieren Sie keinesfalls den erstbesten von der Hausbank offerierten Zinssatz. Zwischen den Zinsen, die die Hypothekarinstitute ins Schaufenster stellen (Richtzinsen), und den bestverhandelten Zinsen klafft meist eine grosse Lücke.
Das folgende Beispiel zeigt das Sparpotenzial anhand eines aktuellen Angebots vom Comparis-Hypothekenservice, verglichen mit dem durchschnittlichen Schaufensterzins:
| Richtzins (10 Jahre) per 15. Juni 2025 | 1,83 % |
|---|---|
| Bestverhandelter Zinssatz per 15. Juni 2025 | 1,43 % |
| Hypothek | CHF 750'000 |
| Zinsdifferenz pro Jahr | 0,4 % |
| Ersparnis pro Jahr | CHF 3’000 |
| Ersparnis für die gesamte Laufzeit | CHF 30’000 |
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Dieser Artikel wurde erstmals produziert am 09.12.2021



